Das Zarendenkmal in Kiel

Feierliche Ansprachen zur Aufstellung des Denkmals

1. Botschaftsrat Sergey M. Maguta - Referat für Kulturfragen bei der Botschaft der Russischen Föderation (Berlin)

Sehr geehrter Herr Stange,
sehr geehrter Herr Tovar,
sehr geehrter Herr Taratynow,
meine sehr verehrten Damen und Herren!

Gestatten Sie mir zuerst - auch im Namen des Botschafters der Russischen Föderation in Deutschland Herrn Wladimir Grinin, der heute leider nicht mit uns in Kiel sein kann - Ihnen von Herzen zu danken - für die Einladung zur feierlichen Einweihung des Peters des Dritten-Denkmals in Ihrer schönen Stadt, eines Denkmals zur Erinnerung an  den russischen Kaiser.

Heute im Kieler Schlossgarten wird das Denkmal für einen russischen Zaren eingeweiht, ein Denkmal für den hier, in Kiel geborenen Herzog Karl Peter Ulrich von Schleswig-Holstein-Gottorf. Das ist ein ungewöhnliches, ein originelles Denkmal - wie vieles, was aus der Hand des facettenreichen und talentvollen Bildhauers Alexander Taratynow kommt.

Mit großem Vergnügen erinnere ich mich an eine andere, ähnliche Einweihungs-Zeremonie vor acht Jahren, der ich beigewohnt habe. Damals in der historischen Altstadt von Genf, nicht weit von der russischen Kirche wurde ein Denkmal für France Leforte  enthüllt - für einen Menschen, der in Russland gut bekannt ist, dessen Namen sogar ein Bezirk der russischen Hauptstadt Moskau trägt und der lange Jahre ein treuer Gefährter des russischen Zaren Peters des Großen war. Das Denkmal, das wir heute einweihen, ist ein weiteres Beispiel des hohen künstlerischen Könnens sowie eines feinen Geschichte-Gespürs des herausragenden russischen Bildhauers.

Die Person Peters des Dritten ist keinesfalls eindeutig und klar. Lange Zeit war er von manchen Historikern eher  mit - so zu sagen - Minuszeichen qualifiziert. Doch in den letzten Jahren ändert sich langsam die Einstellung zu ihm.

Man stellt nun fest, dass es dem neuen Zar in der kurzen Zeit seiner Regierung nach der Kaiserin Elisabeth gelungen war, eine Reihe von Staatsreformen einzuleiten, die an den Ideen des Aufgeklärten Absolutismus orientiert waren. Er löste die „Geheime Kanzlei“ auf, gründete Staatsbank und wies den Druck von Geldscheinen an. Er traf Maßnahmen zur Belebung des Handels, lockerte das Reiseverbot, verbot die Verfolgung von Altgläubigen. Auch plante Peter der Dritte die Abschaffung der Leibeigenschaft.

Das heutige Projekt, seine Initiatoren und Autoren verdienen jegliche Anerkennung. Damit wird ein symbolisches Zeichen gesetzt. Das Denkmal in Kiel für den russischen Kaiser ist eine lebendige Erinnerung an die traditionsreichen Verbindungen, die Russland und Deutschland, unsere Völker seit Jahrhunderten erfolgreich pflegen. Das ist zugleich eine gelungene Mission, die das Ziel hat, ein ehrendes Gedenken an diese historischen Verbindungen auf dem deutschen Boden zu bewahren. Denn nur so kann das wertvolle Potential der gegenseitigen Verständigung, des gegenseitigen Respekts und der gegenseitigen Zuneigung zwischen den Völkern unserer beiden Länder ausgebaut werden.

Dadurch begreifen wir, dass wir unglaublich viel Gemeinsames und Verbindendes haben, dass unsere gemeinsame Geschichte vielseitiger und reicher ist, als sich einer manchmal vorstellen kann. Ein sorgsamer Umgang mit dem gemeinsamen Erinnerungsgut sowie die Förderung der Teilhabe von Bürgern, vor allem der Jugendlichen daran - das sind die besten Rezepte für den Abbau immer noch bestehender Vorurteile und Stereotypen im Verhältnis zwischen den Völkern unserer beiden Ländern. Und in der Zeit, wenn die Zusammenarbeit zwischen unseren Staaten bestimmte Schwierigkeiten erlebt und auf die Probe gestellt wird, erscheit es besonders wichtig.
Gerade dafür gilt unser Dank: den Veranstaltern und Mitgestaltern des heutigen bedeutungsvollen Events - vor allem dem Kieler Zarenverein sowie Herrn Alexander Taratynow, der, übrigens, heute zu alledem seinen Geburtstag feiert. Ich wünsche den Bürgern und Gästen der Stadt Kiel viel Freude an Begegnungen mit dem neuen Denkmal und der russisch-deutschen Geschichte in dieser schönen Stadt.

Nochmals vielen Dank - allen, die das heutige Ereignis ermöglicht haben.
Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit.

 

Stadtpräsident Hans-Werner Tovar - Grußwort zur Enthüllung des Denkmals

Sehr geehrter Herr Stange,
sehr geehrter Herr Generalkonsul Khotulev,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich freue mich - gerade auch nach dem wie ich finde ärgerlichen Einreiseverbot für die russische Korvette, die uns zur Kieler Woche einen Besuch abstatten wollte – dass wir hier und heute mit der Enthüllung des Denkmals eine deutsch-russische Gemeinsamkeit betonen können. Ja, vielen Kielerinnen und Kielern ist gar nicht bewusst gewesen, dass Zar Peter III. einer von ihnen war und die ersten 14 Jahre seines Lebens im Kieler Schloss verbracht hat. Das hat nun ein Ende und die Statue, die der Zarenverein finanziert und in Auftrag gegeben hat, wird uns künftig daran erinnern. Zugegeben, die Geschichtsschreibung ist sich nicht einig, ob Zar Peter III. ein infantiler Nichtsnutz oder ein visionärer Reformer war. Der Zarenverein hat sich für Letzteres entschieden und macht auf die Verdienste des russischen Kaisers mit den Kieler Wurzeln aufmerksam.

In der Tat wollte der Mann offenbar sehr viel Gutes. Er hat in seiner nur halbjährigen Amtszeit doch tatsächlich 200 Gesetze auf den Weg gebracht. Von dieser Effektivität können heute die Parlamente nur träumen! Einige seiner Reformideen möchte ich beispielhaft nochmal ins Gedächtnis rufen: Er lockerte das Reiseverbot, verbot die Folter und plante die Abschaffung der Leibeigenschaft. Gerichtsverfahren mussten öffentlich geführt werden und Beamte wurden auf Uneigennützigkeit verpflichtet. Die Salzsteuer strich er und führte stattdessen für den Adel eine Luxussteuer ein. Er verkündete die Glaubensfreiheit und hatte vor, die Rechte der orthodoxen Kirche zu beschneiden. Das sind keine unsympathischen Ansätze zur Erneuerung einer feudalen Gesellschaft, finde ich.
Alles in allem kann man wohl sagen, dass er richtige Pflöcke einschlagen wollte und mit dieser Reformpolitik zweifellos  für sehr viel Unruhe bei den herrschenden Eliten gesorgt hat. Mag sein, dass sein unschönes Ableben, vor dem er zudem gezwungen wurde, seinen Verzicht auf das Zarenamt zu unterschreiben, hier eine wesentliche Ursache hatte.

Aber auch familiär lief wohl nicht alles glatt. Sowohl er als auch seine Ehefrau Katharina die Große hatten offenbar noch weitere Liebschaften, die sie pflegten. Und zu den damaligen Zeiten wurde ja über Heiratspolitik auch Macht zugeteilt bzw. entzogen. Insofern war das Private schon damals durchaus sehr politisch und konnte schnell in größerem Maße gefährlich werden.

Nun, es lässt sich wohl nicht abschließend klären, welche Ursachen dazu geführt haben, Zar Peter III. schnell und brutal seines Amtes und auch seines Lebens zu entledigen. Sein Sohn Paul jedenfalls hielt ihn in Ehren und sorgte nach seinem Regierungsantritt über dreißig Jahre später umgehend dafür, dass sein Vater exhumiert und mit allen Ehren in der Peter-und-Paul-Kathedrale in St. Petersburg beigesetzt wurde. Auch im Volk genoss Peter III. offenbar hohes Ansehen, denn es ist überliefert, dass tausende Russen noch Tage lang an seinem Sarg vorbeizogen, um ihm die letzte Ehre zu erweisen.

Sehr geehrte Damen und Herren,
sehen Sie es mir nach, dass ich Zar Peter III. als eine sehr schillernde Figur empfinde und beschreibe. Aber das macht ihn ja zu einem sehr spannenden Sohn unserer Stadt, dessen Geschichte trotz ihrer Ambivalenz durchaus erzählt werden sollte. Gewiss bin ich als Demokrat kein Anhänger von Monarchien, jedenfalls nicht von solchen, in denen die Monarchen noch wirklich etwas zu sagen haben. Aber auch unsere Demokratie ist nicht vom Himmel gefallen, sondern hatte eine Vielzahl von Wegbereiterinnen und Wegbereitern. Wenn Zar Peter III. mit seinen beachtlichen Reformen dazu zu zählen ist, dann steht das Denkmal hier zu recht, keine Frage.
Für aktuelle Politikerinnen und Politiker dient es aber vielleicht auch als Mahnmal dafür, dass Reformen als Revolution von oben nicht unbedingt nachhaltig greifen können, weil sie zuvielen Feinden ausgesetzt sind. In diesem Fall hat die Revolution von oben dann nicht ihre Kinder, sondern einen ihrer Väter gefressen.
Zum Glück: Ganz so blutrünstig geht es zum Glück hier und heute nicht zu, jedenfalls nicht in Kiel. Und auch das lehrt uns dieses Denkmal: Wir sollten vielleicht etwas dankbarer sein, in eine andere Zeit geboren worden zu sein. Lassen Sie mich in Anspielung auf den Titel eines angekündigten Buches (von Ex-OB Susanne Gaschke) mit aktuellem Kiel-Bezug sagen: Zar Peter III. ist nämlich tatsächlich „volles Risiko“ gegangen und dabei allerdings brutal gescheitert. Das sollte uns zu denken geben. Aber dazu ist ein Denkmal ja auch da!

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

 

Der Bildhauer Alexander Taratynov

Sehr geehrter Herr Präsident,
sehr geehrter Herr Generalkonsul,
sehr geehrter Herr Vereinsvorsitzender und
sehr geehrte Mitglieder des Kieler Zarenvereins,
sehr geehrte Damen und Herren!

Ich hatte das Glück,  an dem äußerst interessanten Projekt des Denkmals dem Zaren Peter III in Kiel mitzuwirken.
Um ehrlich zu sein, wusste ich davor nicht besonders viel über das Leben und die Geschichte des russischen Zaren.  Während der Arbeit am Denkmal habe ich mich damit intensiv beschäftig und freue mich darüber.  Ich möchte jetzt nicht viel über seine Persönlichkeit reden, denn das wurde heute schon getan und es ist die Aufgabe der Historiker darüber zu reden.
Seine Biografie basiert größtenteils auf den Erinnerungen von Ekaterina II. In früheren Zeiten – übrigens auch wie heute – hat man in den Machtinteressen auch die Verfälschung der Geschichte nicht gescheut.  Es ist eindeutig, dass man die  Geschichte von Peter III. erforschen und sie gerecht wiederherstellen muss.

Für mich ist das Wichtigste in der Persönlichkeit von Peter III. seine Rolle als Friedensstifter. Peter III hat mit seiner Willensentscheidung in einem Moment den 7- jährigen Krieg in Europa beendet, den Krieg,  der hundert tausende Leben gefordert  hat.
Und obwohl  dieser Beschluss in Russland, als auch in Europa stark kritisiert wurde, hat weder Ekaterina II, (die Peter III.  am Thron abgelöst hat), noch ein anderer europäischer Herrscher den Krieg wiederaufgenommen.
Heutzutage fehlt es unseren Zeitgenossen an solch einer Willenskraft in Fragen des Friedens.

Als ein Reformator hat Peter III. nach seiner Krönung viele Reformen angefangen. Als der Enkel von Peter dem Großen hat er die Romanov-Dynastie weitergeführt.
Als ein einfacher Mensch hat er nicht den nahenden Umsturz erkannt und die Macht verloren.

Alle diese Charakterzüge habe ich besucht im Denkmal darzustellen. Deshalb steht Peter III in einem gewissen Abstand zum Thron, wo er  - obwohl er die Möglichkeit hatte -   nicht gründlich  sich hinzusetzen könnte.

Hoffentlich wird mein Werk positiv aufgenommen.
Ich möchte noch hinzufügen, dass ich  bei vergleichbaren Projekten noch nie so eine  enge Zusammenarbeit mit den Kunden hatte, wie ich es mit dem Kieler Zarenverein und persönlich mit Herrn Stange hatte.

Besonderen Dank geht an Frau Borisova, für ihren großen Beitrag und Hilfe beim Projekt. Von Anfang an, abgesehen  von einigen Schwierigkeiten, war die Arbeit sehr gut organisiert.

Durch die gemeinsame Reise nach Sankt Petersburg zusammen mit den Mitgliedern des Kieler Zarenverein und den Besuch der Lebensstätten von Peter III wurde eine neue Idee geboren:  ein ähnliches Denkmal in Oranienbaum auf dem Gelände  des Schlosses von Peter III aufzustellen.
Diese Idee hat der russische Kulturminister Herr Medinsky unterstützt. Wenn das Projekt realisiert wird,  können Russen mehr über die Person von Peter III erfahren, zum Beispiel, dass es aus der  schönen deutschen Stadt Kiel kommt, und sie werden  vielleicht diese Stadt besuchen wollen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

 

Huno Herzog von Oldenburg - Grußwort zur Einweihung des Denkmals

Wir ehren heute einen Kieler Jung, hier wurde er geboren, ein Mitglied des Hauses Oldenburg, der vor gut 250 Jahren in Rußland die Dynastie Holstein Gottorp-Romanov auf den russischen Kaiser-Thron brachte.

Ihm wurde schwerstes Unrecht zugefügt. Er wurde feige ermordet und nach dem Mord begann eine Rufmord-Kampagne, die bis heute fortwirkt.

Deshalb freut es mich, daß - dank des Kieler Zarenvereins - mit diesem schönen Denkmal seine Rehabilitation beginnen kann. Sie wird begleitet von den historischen Publikationen Elena Palmers. Ich hoffe sehr, daß diese bald auch in Rußland erscheinen werden.

Ich sage das nicht, weil er mein 5-facher Urgroß-vater ist, - in mütterlicher Linie. Bemerkenswerter ist m. E., daß er mit seiner ersten Amtshandlung als Zar den furchtbaren 7-jährigen Krieg in Europa mit einem klugen und außerordentlich großzügigen Friedensplan beendete.

Da wir heute, - 100 Jahre nach Ausbruch des 1. WK, den Frieden Europas wieder gefährdet sehen, würde ich es außerordentlich begrüßen, wenn unsere westlichen Führer nicht eskalierend nach Aufrüstung und Truppenverstärkung rufen, sondern sich an der souveränen Friedenspolitik dieses russischen Kaisers ein Beispiel nehmen würden.

Eine ARD-Umfrage vom 5.Juni offenbarte gerade, daß das deutsche Volk in diesem Geiste mit 80% gegen eine Eskalation der Ukraine-Krise und für vertrauensvolle Partnerschaft mit Rußland votierte. Möge dieses Denkmal der deutsch-russischen Gemeinsamkeit stets ein Mahnmal für unsere Freundschaft sein!

Пуст живёт наша старая дружба!

16.05.2014 Russischer Sender HTB über die Denkmaleinweihung

Die Reportage von der Denkmaleinweihung für den Herzog von Schleswig-Holstein-Gottorf Carl Peter Ulrich und zugleich russischen Imperator Peter III. am 13. Juni 2014 im Schlossgarten, Kiel

(Ausgestrahlt: 15.06.2014, russischer Nachrichtensender HTB)

 

Spenden zur Pflege und Erhaltung des Denkmals

 
Alle Spenden sind zweckgebunden für das Denkmalprojekt und steuerlich abzugsfähig.
 
Kontoinhaber:    Der Kieler Zarenverein:
Deutsche Bank AG Kiel - BLZ 210 700 20
Kto.-Nr. 012001460
IBAN   DE03 2107 0020 0012001400
BIC     DEUTDEHH210

- Der Kieler Zarenverein -
Gemeinnützigkeit anerkannt vom Finanzamt Kiel-Nord: St.-Nr. 20 / 290 / 86605